Das ist das Team Xbox der Zukunft


Knapp 21 Monate hat er gedauert, der Kampf um die Zukunft von Activision Blizzard King. Am 13. Oktober 2023 konnten die Microsoft-Verantwortlichen endlich den Vollzug vermelden. Der größte westliche Third-Party-Publisher der Games-Industrie gehört jetzt einem der größten Tech-Giganten der Welt. Hinter dem 68,7 Milliarden US-Dollar schwerem Deal steckt die mit großem Abstand teuerste Akquisition der Videospiele-Geschichte.

Während ein großer Teil der Branche unter den immer neuen Hiobsbotschaften des Spielejahres 2023 ächzt, hat sich Team Xbox auf einen Schlag enorm vergrößert und deutlich breiter aufgestellt. In diesem Special beleuchten wir, was sich für Microsoft durch den Deal konkret verändert hat und wie das Unternehmen jetzt im Vergleich zum großen Konkurrenten Sony aufgestellt ist.

Team Xbox vor der Übernahme

Wir hatten es bereits in einem anderen Artikel beleuchtet: Die Microsoft-Verantwortlichen hatten es seit der Einführung der ersten Xbox im November 2001 (USA-Launch) nie geschafft, eine ausreichend große Zahl an Studios aufzubauen, die verlässlich sogenannte Systemseller veröffentlichen, also hochwertige Spiele, um die man derart viel Hype aufbauen kann, um nur dank diesen Blockbustern zusätzliche Konsolen oder – mit Blick auf die aktuelle Lage der Nation – “Xbox Game Pass”-Abos zu verkaufen.

Die Lösung von Microsoft: Andere Studios übernehmen und diese First-Party-Titel entwickeln lassen. Rare schnappte man sich bereits 2002. 2014 folgten die Minecraft-Entwickler von Mojang. Vier Jahre später waren Compulsion Games, inXile Entertainment, Ninja Theory, Obsidian Entertainment, Undead Labs und Playground Games fällig. 2019 hieß man Double Fine Productions in der Xbox-Familie willkommen. Im März 2021 landete schließlich auch Bethesda bei Team Xbox.

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Activision Blizzard King Joins Xbox! Offizieller Trailer feiert Übernahme

Unterm Strich hatte Microsoft nach dem Bethesda-Deal damit 23 First-Party-Studios. Genauso viele wie der große Konkurrent Sony (nach der Schließung von PixelOpus im Mai 2023). Und natürlich arbeiteten all die Studios an neuen Games-Projekten. Da die Entwicklung von Spielen jedoch bekanntlich zunehmend länger dauert, konnte Team Xbox in den vergangenen Jahren kaum Früchte der enormen Investitionen ernten. Gleichzeitig enttäuschten wichtige First-Party-Releases wie Halo Infinite oder Redfall.

Die Weichen für eine dominante Zukunft

Ein wichtiger Grund für die Übernahme von Activision Blizzard war es, genau diese lange schwächelnde First-Party-Front spürbar zu verstärken. Jetzt, da der Deal durch ist, profitieren die Microsoft-Verantwortlichen gleich in zweifacher Hinsicht. Nummer 1: Die in den Vorjahren getätigten Studio-Übernahmen liefern endlich Ergebnisse.

Dank Hi-Fi Rush, der Definitive Edition von Age of Empires 2 für Xbox, Ghostwire: Tokyo für Xbox, Minecraft Legends, Redfall, Starfield und Forza Motorsport blicken wir schon jetzt auf ein Spielejahr 2023 zurück, das deutlich mehr Xbox-Releases spendiert bekommen hat als die vorherigen Jahre (auch wenn sicherlich nicht alles Gold war).

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Forza Motorsport: Xbox gibt weiter Vollgas!

Zudem gab es in diesem Jahr Neuankündigungen wie South of Midnight von Compulsion Games oder Clockwork Revolution von inXile Entertainment sowie Updates zu Avowed, Fable oder auch Senua’s Saga Hellblade 2. Laut Phil Spencer sind viele der Projekte so weit fortgeschritten, dass uns ab dem 3. Quartal 2023 (also quasi ab Starfield) etwa alle drei Monate ein großer Xbox-Release erwarten soll – und das war vor der Finalisierung der Activision-Übernahme.

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Ergänzt wird das Release-Programm von Xbox jetzt jedoch ganz offiziell – und damit sind wir bei Nummer 2 – von den Projekten, die derzeit bei Activision Blizzard entstehen. Bereits am 10. November 2023 dürfen sich Phil Spencer und Co. gleich auf ein enorm wichtiges Highlight freuen: Call of Duty: Modern Warfare 3.

Service- und Mobile-Games

Klar ist außerdem, dass am 17. Oktober 2023 die zweite Saison von Diablo 4 startet. Auch Diablo Immortal wird weiter unterstützt, womit wir beim zweiten Grund sind, warum Microsoft so viel Geld für Activision gezahlt hat. Team Xbox will endlich auf dem Mobile-Markt eine tragende Rolle spielen. Da passt es gut, dass am 3. November 2023 Warcraft Rumble an den Start geht. Call of Duty Mobile und die diversen Titel von King sind eh seit Jahren zuverlässige Gelddruck-Maschinen.

Zu Team Xbox gehören jetzt aber natürlich noch weitere “Service-Games” wie World of Warcraft (die neue Erweiterung wird im November auf der BlizzCon angekündigt), Hearthstone, Overwatch 2 oder auch Call of Duty: Warzone. Und dann arbeiten die Blizzard-Entwickler ja bekanntlich auch noch an einem Survival-Game, das sicherlich ebenfalls über einen langen Zeitraum unterstützt und monetarisiert werden soll. Oh, und bei Zenimax entsteht derzeit ein neues Online-Rollenspiel, das sicherlich ähnlich erfolgreich wie The Elder Scrolls Online werden soll.

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Activision Blizzard: Zeit für Veränderung

Das neue Team Xbox

Jetzt, da der Deal durch ist, gehören zu Team Xbox deutlich mehr Mitarbeiter, Studios und Entwickler-Teams. Wie viele Teams genau, ist schwer zu sagen, da allein bei Blizzard zig aktive Projekte wie WoW, WoW Classic, Diablo 4, Diablo Immortal, Overwatch 2 und Hearthstone betreut und parallel an neuen Spielen entwickelt wird. Offiziell gehören jetzt die folgenden Activision-Studios zu Microsoft:

  • Treyarch
  • Infinity Ward
  • Beenox
  • Demonware
  • Digital Legends
  • High Moon Studios
  • Raven Software
  • Sledgehammer Games
  • Solid State Studios
  • Activision Shanghai Studio
  • Toys for Bob

Auf dem Papier wächst Team Xbox damit auf 36 First-Party-Studios an, wenn man die tatsächliche Zahl an Entwickler-Teams bei Blizzard, King und Co. außer Acht lässt. Etwa 17.000 neue Mitarbeiter stehen jetzt auf dem Lohnzettel von Microsoft.

Alle Franchises von Team Xbox

Lasst uns jetzt einen Blick auf alle Marken werfen, die nach dem Deal bei Microsoft liegen:

Activision/Blizzard

  • 3D Ultra Pinball
  • Call of Duty
  • Call to Power
  • Crash Bandicoot
  • Dark Reign
  • Diablo
  • Extreme PaintBrawl
  • Front Page Sports Baseball
  • Gabriel Knight
  • Geometry Wars
  • Guitar Hero
  • Gun
  • Hearthstone
  • Heavy Gear
  • Heretic
  • Heroes of the Storm
  • Hexen
  • Interstate ’76
  • King’s Quest
  • Laura Bow Mystery Series
  • Lost Vikings, The
  • Matt Hoffman’s Pro BMX
  • Overwatch
  • Phantasmagoria
  • Pitfall
  • Police Quest
  • Prototype
  • Quest for Glory
  • SWAT
  • Singularity
  • Skylanders
  • Soldier of Fortune
  • Space Quest
  • Spyro
  • StarCraft
  • Tenchu (nur die Spiele, die vor 2004 veröffentlicht wurden (da sind die Rechte an From Software gegangen))
  • Tony Hawk’s Pro Skater
  • True Crime
  • Ultimate Soccer Manager
  • Warcraft
  • World of Warcraft
  • Zork

King

  • AlphaBetty Saga
  • Blossom Blast Saga
  • Bubble Saga
  • Bubble Witch Saga
  • Candy Crush Saga
  • Diamond Digger Saga
  • Farm Heroes Saga
  • Hoop de Loop Saga
  • Papa Pear Saga
  • Paradise Bay
  • Pepper Panic Saga
  • Pet Rescue Saga
  • Pyramid Solitaire Saga
  • Rebel Riders
  • Scrubby Dubby Saga
  • Shuffle Cats

Bethesda / Zenimax

  • Commander Keen
  • Deathloop
  • Dishonored
  • Doom
  • Elder Scrolls
  • Fallout
  • Hi-Fi Rush
  • Prey
  • Quake
  • Rage
  • Redfall
  • Starfield
  • The Evil Within
  • Wolfenstein

Xbox / Microsoft

  • Age of Empires
  • Age of Mythology
  • Banjo-Kazooie
  • Bard’s Tale, The
  • Battletoads
  • Blinx: The Time Sweeper
  • Blue Dragon
  • Conker
  • Costume Quest
  • Crackdown
  • Crimson Skies
  • Fable
  • Forza
  • Gears of War
  • Halo
  • Killer Instinct
  • Kinect Sports
  • Microsoft Flight Simulator
  • Midtown Madness
  • Minecraft
  • Perfect Dark
  • Pillars of Eternity
  • Project Gotham Racing
  • Psychonauts
  • R.C. Pro-Am
  • Rise of Nations
  • Sabreman
  • State of Decay
  • Thunder (Hydro Thunder, Arctic Thunder und so weiter)
  • Viva Pinata
  • Wasteland
  • Zoo Tycoon

01:30
Microsoft kauft Activision Blizzard | News

Microsoft versus Sony

Während die Nintendo-Verantwortlichen seit vielen Jahren ihr eigenes Ding machen, konkurrieren die beiden Konsolen-Hersteller Sony und Microsoft in gleich mehreren Bereichen. Schauen wir uns im Folgenden an, wie sich das Machtverhältnis ab jetzt verschieben könnte:

Konsolen: Xbox versus PlayStation

Egal, welche Konsolen-Generation man sich anschaut: Die PlayStation hat sich stets besser (teils mit enormem Abstand) verkauft als das jeweilige Xbox-Pendant (Quelle). Nur die Xbox 360 agierte halbwegs auf Augenhöhe mit der PlayStation 3 und konnte sich einen Platz in der Top 10 der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten sichern.

An dieser Dominanz wird auch die Übernahme nichts ändern. Schließlich soll Sony von der PlayStation 5 mittlerweile fast doppelt so viele Einheiten verkauft haben wie Microsoft von den beiden Xbox-Series-Varianten. Zumal die Microsoft-Entscheider für die nächsten zehn Jahre diverse Zusicherungen machen mussten, etwa mit Blick auf die Verfügbarkeit von Call of Duty auf Konkurrenz-Plattformen. Spannend wird es hier wohl erst mit dem Start der nächsten Konsolengeneration, die laut internen Plänen im Jahr 2028 an den Start gehen könnte.

Services: Game Pass versus PS Plus

Laut den jüngsten Angaben soll es weltweit derzeit 25 bis 30 Millionen Mitglieder vom Xbox Game Pass geben, die monatlich 10 bis 15 Euro Richtung Microsoft überweisen. Das war jedoch noch vor der Umstellung von Xbox Live auf Game Pass Core. Um mit diesem Abo-Angebot halbwegs mithalten zu können, hatte Sony im Juni 2022 bekanntlich das PlayStation-Plus-Modell neu aufgestellt.

Im Mai 2023 gab es die bisher letzte Wasserstandsmeldung der Japaner: Im März 2023 zählte Sony 6,1 Millionen Extra- und 8 Millionen Premium-Abonnenten. Diese 14,1 Millionen Nutzer sollen aber nur 30 Prozent der eigentlichen PS-Plus-Basis ausmachen. Insgesamt überweisen also etwa 47 Millionen PlayStation-Fans monatlich mindestens etwa 9 Euro nach Japan.

Irgendwann in den kommenden Monaten (wohl nicht vor 2024) sollen Spiele aus der Activision-Bibliothek den Xbox Game Pass bereichern. Es scheint sicher, dass sich dieser Zuwachs positiv auf die Zahl der Game-Pass-Abonnenten auswirken wird. Zumindest, wenn sich unter den Neuheiten auch einige Highlights befinden, die nicht bereits zig Jahre auf dem Buckel haben. Dennoch werden viele Spieler ihrer PS5 und dem PS-Plus-Abo sicherlich treu bleiben (und sei es nur, um Online-Multiplayer spielen zu können).

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